Mitte Mai 2020 habe ich 10 Top-Dienstleister aus der Hochzeitsbranche zu deren damaligen Situation während der Corona-Pandemie im HDAV Studio Bergisch Land in Wuppertal interviewt. Alle Filme gibt es hier https://www.youtube.com/channel/UCgMh5z01uoVRygeUh8nfWoQ/videos

Mit dabei war auch Tobias Opitz, Inhaber vom „Eventhaus Giebel in Wermelskirchen. Hier ist sein Video: https://www.youtube.com/watch?v=5w2r6zkSHIk

Heute, 12 Monate später, habe ich noch einmal Kontakt zu ihm aufgenommen und ihm einige Fragen zur derzeitigen Corona-Pandemie gestellt. Hier seine Antworten:

1 Jahr nach der Aufzeichnung sind vergangen: Was hat sich für Dich in dieser Zeit verändert? Hat sich etwas verändert?

Natürlich. In diesem einem Jahr konnten wir ja im Prinzip nur drei Monate unserer „üblichen“ Beschäftigung nachgehen. In der restlichen Zeit haben wir uns für unsere Branche engagiert und

ich habe mich in das Thema Virologie und Epidemiologie im Selbststudium soweit eingearbeitet um auf politischer Ebene mitreden zu können und Konzepte für unsere Branche zu entwickeln, die

auch Hand und Fuß haben. Auch öfter mal Interviews zu geben war neu für mich. Im Grunde fühle ich mich jetzt mehr als „Politiker“ als in der Zeit als ich wirklich politisch aktiv war.

Mittlerweile macht sich aber auch der stetige Druck bei gleichzeitig sehr eingeschränkten Möglichkeiten selbst etwas an der eigenen Lage zu ändern bemerkbar. Ich bin einfach sehr ungern

von anderen Menschen oder „den Umständen“ abhängig. Daher ist die Situation gerade etwas frustrierend und es fehlt ein wenig am alten „Feuer“ … das kommt aber sicher, wenn es

weitergeht 😉

Wie stehst Du heute finanziell da?

Nach mehr als einem Jahr Pandemie und nur sehr zäh und eigentlich unzureichend fließende Staatshilfen sind die Reserven mittlerweile erschöpft. Wir haben noch einen weiteren

Geschäftsbereich, der nichts mit Feiern oder Events zu tun hat und bisher eher ein Hobby war, weiter ausgebaut. Das hilft die ärgsten Löcher zu stopfen und uns auf einem zwar niedrigen, aber

erträglichen Niveau zu halten. Die eigentlich für dieses und das nächste Jahr geplanten Investitionen sind jetzt erst einmal verschoben bis wir Klarheit über die Zukunft haben.

Gibt es Dich noch als Unternehmer im Sommer d. J., wo siehst Du dich in nächster Zeit?

Ja. Wie gesagt haben wir unseren bisher eher als Hobby betriebenen Unternehmensbereich (Softwareentwicklung) weiter ausgebaut und planen hier für die nächsten Monate auch noch

weitere Projekte. Solange sich hinsichtlich der Pandemie nichts weiter tut – und wie es aussieht möchte unsere Regierung das ja so – werde ich hier meine Energie rein stecken.

Was hast Du im letzten Jahr „so gemacht“? Ggf. ein anderes Tätigkeitsfeld als in dem Video? Wenn Ja. Wegen Geld oder Langeweile?

Ich habe zwei größere Projekte im SAAS (Software as a service) Bereich – eines für Privatkunden, das andere für den Geschäftsbereich – in die Beta-Phase (erste Tests mit Kunden) gebracht und hoffe

beide im Laufe des Jahres fertig veröffentlichen zu können. Langeweile hatte ich keine. Geld ist hier eindeutig die Triebfeder gewesen. Ich glaube nicht, dass dies die letzte Pandemie gewesen ist, der wir uns stellen müssen und mir missfällt der Gedanke einfach, nochmal ohne unabhängiges Standbein da durchstapfen zu müssen. Da sich unser Staat so umfassende Wirtschaftshilfen in Zukunft wohl nicht noch einmal leisten kann, würde ich auch jedem in der Eventbranche dringend ans Herz legen eine alternative Einnahmequelle aufzubauen.

Stand heute: Wann denkst Du, geht es mit Feste und Feiern wieder los? Falls Ja: Wie wird die Stimmung sein?

Die Hoffnung stirbt wie üblich zuletzt … es ist gerade wirklich schwer nicht zynisch zu werden. Wir tasten uns mit unseren Kunden gerade so auf ungefähr vier bis drei Wochen an den Termin der

Feier heran bevor wir über eine Verschiebung oder Stornierung entscheiden. Das geht ohne das große Vorbereitungskosten entstehen und so sind wir einigermaßen flexibel

Glaubt man den aktuellen Meldungen soll sich das Impftempo ab Mai deutlich erhöhen und die Impfungen sind das einzige, das uns eine realistische Chance gibt aus dem Teufelskreis

auszubrechen in den uns Bundes- und Länderregierungen manövriert haben. Die sog. „Bundesnotbremse“ wird wahrscheinlich zu einer Stagnation der 7-Tage-Inzidenz auf hohem Niveau

um die 100 führen. Damit kann man dann zwar durchaus den Einzelhandel öffnen und Präsenzunterricht durchführen (wenn man bereit ist die daraus resultierenden Todesfälle ethisch in

Kauf zu nehmen – ich wäre es nicht), aber für die Veranstaltungsbranche und die Gastronomie bedeutet das auf jeden Fall weiter geschlossen zu bleiben. Solange man für diesen Bereich nur die

Inzidenz heranzieht und alle guten Vorschläge und Konzepte (eines stammt sogar von uns) für sichere Feiern auf politische Ebene ignoriert würde nur ein echter Lockdown helfen, der die Zahlen

nachhaltig in den einstelligen Bereich drückt.

Je nach Fortschritt der Impfkampagne sehen wir möglicherweise im Juli oder August nennenswerte Auswirkungen auf die Inzidenzen, die Todeszahlen und die Auslastung der Intensivstationen. Ab

dem Punkt wird es politisch kaum noch möglich sein die aktuellen Grundrechtseinschränkungen aufrecht zu erhalten. Dann geht es auch bei uns weiter.

Wie zufrieden bist Du mit den polit. Entscheidungen auf Bundes- und Landesebene?

Ehrlich gesagt mache ich mir große Sorgen um die Zukunft unseres Landes. Was ich gerade in den letzten sechs Monaten an Inkompetenz gesehen habe hätte ich nicht für möglich gehalten. Die Art

und Weise in der dort um Lockerungen, Verschärfungen, Formulierungen und Ausnahmen geschachert wurde zeigt deutlich, dass unsere aktuelle politische Riege nicht in der Lage ist mit

echten Problemen pragmatisch umzugehen. Ein Land zu verwalten ist nicht schwer, wenn es gerade gut läuft. Größe zeigt sich im Angesicht von Herausforderungen und das heißt eben auch mal

unpopuläre Entscheidungen zu treffen und mit den Konsequenzen zu leben. Der Pandemieverlauf wurde vom Großteil der beratenden Experten exakt so vorhergesagt, wie es auch eingetroffen ist

und es wurden auch passende Maßnahmen vorgeschlagen, die in anderen Teilen der Welt entsprechende Ergebnisse zeigten. Wir hätten uns also eine Menge Leid ersparen können.

Der größte Fehler war, meiner Meinung nach, das Festhalten an der Bundestagswahl im September und den Landtagswahlen im letzten und diesem Jahr. Die meisten Entscheidungen, die gegenwärtig

hinsichtlich der Pandemie getroffen werden, sind vom Wahlkampf mindestens beeinflusst. Das beste wäre gewesen alle Wahlen bis zur Überwindung der Pandemie auf Eis zu legen und dann

einen normalen Wahlkampf mit langfristig relevanten Themen zu machen. Hier kann man durchaus von Staatsversagen sprechen.

Was wünschst Du Dir von Deinen Kunden, Lieferanten und Politik?

Meine Kunden und Lieferanten sind die besten, die man sich wünschen kann. Wir gehen den Weg seit Beginn der Pandemie gemeinsam und ich bin froh und dankbar, dass wir alle so gut

zusammenarbeiten. Hier gibt es absolut nichts zu verbessern.

Von der Politik würde ich mir wünschen besser spät als nie die Reißleine zu ziehen und für drei Wochen einen echten, bundesweiten Lockdown zu verhängen. Drei Wochen Einschränkungen der

Mobilität und Kontakte auf das absolute Minimum und wir können entspannt durch den Sommer gehen. Den Rest werden dann die Impfungen besorgen. Außerdem wäre es das Beste die

Bundestagswahl um ein Jahr zu verschieben. Vor dem Hintergrund einer globalen Krise politisch weitreichende Entscheidungen für andere Lebensbereiche zu treffen ist in meinen Augen keine gute Idee.

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